Kanada | Cause supergirls don’t cry #1

Titelbild

— Wenn ich bisher gereist bin, hatte ich dabei immer mindestens eine Person an meiner Seite oder wurde zumindest am Flughafen abgeholt um den Aufenthalt vor Ort gemeinsam zu verbringen.
Dieses Jahr hatte ich dann die Chance, einer der Radreisen in Kanada, die ich sonst vom Schreibtisch aus organisiere, selbst zu leiten.  Weil es so gar nicht meine Art wäre, den langen Flug nicht auch für eine kleine Verlängerung zu nutzen, war ich den ganzen Juli auf mich alleine gestellt.

Schon Monate vorher habe ich fleißig trainiert und die Fahrradwege um Heidelberg unsicher gemacht – dass das letztendlich lange nicht genug war und Deutschlands Waldwege geradezu perfekt sind, sollte sich erst später rausstellen.

Zunächst stand erst mal ein tränenreicher Abschied am Frankfurter Flughafen an. Marcus hatte sich den Tag extra freigenommen um mich zu fahren und dort nochmal gemeinsam frühstücken zu können. Wie das eben so ist, wenn man seine Komfortzone verlässt und ins Unbekannte aufbricht, wollte ich gar nicht so richtig gehen. Es ist einfach immer das selbe – auch wenn ich mir 100%-ig sicher bin, dass etwas Großartiges auf mich wartet, überwiegt die Angst vor was Neuem (nicht nur beim Reisen) erstmal. Und am Ende wird alles gut – IMMER. Wenn Ihr diese Zweifel kennt und Euch davon abschrecken lasst, hat Christiane von Lillies Diary ein paar überzeugende Argumente für Euch. Und auch ich kann Euch nur ans Herz legen: Traut Euch! Packt Euren Rucksack und zieht los – ob mit oder ohne Reisebegleitung. Ihr werdet es nicht bereuen.

Bevor der Flieger abhob, wurde mir noch schnell erklärt, welche Pflichten ich durch meinen Sitz am Notausgang habe (Klar kann ich die Tür im Falle eines Absturzes öffnen und ganz weit weg aus der dadurch entstandenen Luke werfen – ist doch nur ’ne Tür!) und schon ging das Abenteuer Kanada los.

Pünktlich zum Canada Day erreichte ich dieses riesige Land mit der Landung in Calgary – wo aber blöderweise irgendwie so gar nichts los war. Weil ja aber immer alles gut wird, war das gar nicht weiter schlimm. Denn ganz überraschenderweise wurde ich mit einer Facebook-Message von einer Australierin, die ich letztes Jahr in Irland kennengelernt hatte und die seit kurzem in Kanada lebt, empfangen. Die Welt ist verdammt klein und schon wenige Minuten nach Ankunft hatte ich eine Verabredung für den Abend.

Die erste Challenge war jedoch, den Weg ins Hostel zu meistern. Zwar war nicht wirklich was los in der Stadt, aber der Verkehr stand trotzdem still. Der Bus zum Flughafen fuhr also sowieso schon einen Umweg und dann ging es plötzlich gar nicht mehr weiter. Also stieg ich einfach aus und stand total planlos in dieser großen Stadt. Welch Glück, dass ich mir die Lage des Hotels schon in Deutschland ausgedruckt hatte und ich mir den Weg so irgendwie bahnen konnte.
Dort angekommen war gerade eine Party mit kostenlosem Bier und kostenlosen Burger zugange – kaum zu glauben, aber mir fällt es wirklich schwer, in so einer Situation Kontakte zu knüpfen, sodass ich direkt wieder gegangen bin, als sich herausstellte, dass es für mich sowieso nichts zu essen gibt. Die Aussicht, die Zeit mit meinem einzigen Zimmergenossen – einem schrägen alten Mann – zu verbringen, bestärkte mich darin, direkt in die Stadt aufzubrechen. Nach dem langen Flug erstmal etwas zu essen, war eine verlockende Vorstellung. Es hätte sicher auch ganz lecker geschmeckt – wenn denn ein einziger Laden auf dem Weg zum Treffpunkt offen gehabt hätte. Mein vorläufiges Abendessen bestand also aus zwei Alkopops am Ufer des Bow River. Da war die Chorizo, die ich noch in meinem Rucksack hatte, nach Rückkehr ins Hostel wirklich göttlich.

Der nächste Morgen blieb mir noch, um etwas durch Calgary zu bummeln und die Stadt vom Calgarytower aus von oben zu betrachten. Ersteres war nicht sehr lohnenswert, zweiteres dann umso mehr. Okay, mal abgesehen davon, dass sie anlässlich zur Calgary Stampede, die gerade stattfand, ein echtes Pferd auf die 191m hohe Aussichtsplattform gebracht haben.

Direkt im Anschluss ging es mit dem Greyhound nach Banff – bei der Ankunft fällt direkt auf, dass die Straßen – im Gegensatz zu Calgary – richtige Namen haben. Nummerierte Straßen mögen zwar ganz praktisch und übersichtlich sein und auch der Orientierung dienen, aber Straßennamen wie Bear St., Beaver St. und Deer St. klingen doch um weiten besser, oder?

Da Banff ein ziemlich kleiner Ort ist, ist so gut wie alles fußläufig zu erreichen. So auch die Restaurants, die auch für uns Veganer relevant sind.

The Block: Kitchen and Bar (veg-friendly)
Corner Banff Ave./Caribou St.
Banff
www.banffblock.com
>> Direkt an der Ecke zur belebten Banff Avenue, wo Ihr auch die typischen Tourishops findet, befindet sich das Block. Auf der Karte sind alle Gerichte gut gekennzeichnet, sodass man nicht lange fragen braucht, was man denn essen kann. Pommes und Salat sehen dafür ganz schön lahm aus, oder? Allerdings handelt es sich darum um Shoestring Fries mit Chilimayo und einen Salat mit Quinoa, Gelber Bete und Gurken.

Block

Nourish Bistro (vegetarisch/vegan)
110 211 Bear St.
Banff, AB T1L 1A8
www.nourishbistro.com
>> Dem Nourish Bistro eilt sein Ruf voraus. Dennoch muss ich sagen, dass ich nach dem ersten Mal nicht wiedergekommen wäre, wäre das Essen nicht so verdammt gut gewesen. Schon bei meinem ersten Besuch wurde von der Dame, die mir einen Tisch zugewiesen hat skeptisch beäugt und hat mir den Eindruck, mich absolut nicht zu mögen. Nicht das mich ihre Meinung zu meiner Person irgendwie interessiert hätte, zumal sie mich ja absolut nicht kannte – aber wer im Service arbeitet, sollte meines Erachtens in der Lage sein, sich so etwas zu verkneifen. Am Abend ist mir dann in einem Pub der Restaurantmanager über den Weg gelaufen und ich wollte ihm meine Begeisterung mitteilen. Also sprach ich ihn à la ‚Hey, Du bist doch der Koch vom Nourish. Das Essen war wirklich das beste, was ich seit langem hatte‘ an. Da gab er mir ziemlich hochnäsig zu verstehen, dass er nicht der Koch, sondern der Restaurantmanager sei. — Ich habe echt Verständnis dafür, dass man nach Feierabend nicht auch noch Lust hat, mit der Arbeit konfrontiert zu werden. Aber ein bisschen Freundlichkeit ist doch echt nicht zu viel verlangt.
Nichtsdestotrotz, und nicht zuletzt wegen der restlichen, sehr netten Kellnerinnen, kann ich Euch nur empfehlen, das Nourish dennoch auszuprobieren!

Nourish

Wild Flour Bakery  (veg-friendly)
101 211 Bear St.
Banff, AB T1L 1B4
www.wildflourbakery.ca
>> Viel bodenständiger kommt die Wild Flour Bakery daher. Wie der Name schon sagt, verbirgt sich dahinter eine Bäckerei, mit einer grandios befüllten Theke voller Kuchen, Törtchen, Sandwiches, Salate und Brote. Dazu bekommt man hausgemachte Limonade und allerlei heiße Getränke mit verschiedener Pflanzenmilch – übrigens absolut nichts ungewöhnliches in Kanada. Die Vegane Auswahl war nicht riesig – gar nicht so schlecht für meine nicht vorhandene Entscheidungsfreudigkeit – aber fast alles gut gekennzeichnet. Falls die Kennzeichnung nicht eindeutig ist, wissen die Mitarbeiter aber immerhin, was ‚vegan‘ bedeutet.

Wild Flower

Trinkgeld/Steuern: Wer in Kanada essen geht, sollte sich allerdings bewusst sein, dass der Preis auf der Karte noch nicht der Preis ist, den Ihr letztendlich bezahlt. Zum einen kommen noch diverse Steuern hinzu und zum andern auch ein ordentliches Trinkgeld. Mir wurde mal gesagt, dass man 10% gibt, wenn alles okay war; 15% wenn man zufrieden und 20% wenn man sehr zufrieden war. Wenn Ihr als Gruppe auftaucht, wird der Prozentsatz festgelegt – der steht dann meistens auf der Karte oder Ihr werdet sowieso darauf hingewiesen, wenn Ihr einen großen Tisch reserviert. Steuern kommen übrigens auch in den meisten anderen Geschäften, wie z.B. Supermärkten hinzu.

Für so einen kleinen Ort, war auch die Auswahl im Supermarkt ziemlich grandios. Ich stand bestimmt 15 Minuten vor dem Kühlregal, weil ich so reizüberflutet war und mich einfach nicht entscheiden konnte. Letztendlich habe ich dann aber nur ein paar Leckereien fürs Frühstück gekauft.

Vurst und Käse

Auch wenn Essen in meinem Leben einen sehr hohen Stellenwert genießt, gibt es doch einiges, was man rund um Banff erleben kann. So habe ich am nächsten Tag einen Kanuausflug auf dem Bow River gemacht, der vom Hostel organisiert wurde. So konnte ich zum einen die Gegend um Banff und vor allem neue Leute kennenlernen und abends in der Hostelbar noch 15% Rabatt auf alle Getränke abstauben. Wenn das mal kein Deal ist!
Marie-Pierre, mit der ich mir das Kanu geteilt hatte, und ich, hatten dezente Probleme einen gemeinsamen Takt zu finden und so verbrachten wir mehr Zeit damit, uns vom Ufer abzustoßen als zu paddeln. Kein Wunder, dass wir als letztes bei den Vermillion Lakes ankamen. Aber was solls – schön war es trotzdem. Und die Narbe an meinem Unterarm, wird mich noch lange an diesen Tag und die Kollision mit einem Ast erinnern.

DCIM102GOPRO

Mit ein paar der Leute, die bei dem Ausflug dabei waren, habe ich dann am selben Tag noch einen Ausflug zum Lake Minnewanka gemacht und am nächsten Tag sind wir gemeinsam in Sandheeps Auto ca. 600km gefahren um uns die Sehenswürdigkeiten anzuschauen, die auf dem Weg zum Jasper National Park liegen.

Minnewanka

Wenn ich mir nicht dauernd einen Kopf über alles machen würde – dass das so ist, hat mir ein guter Freund vor einer Stunde erst bestätigt – wäre ich einfach nicht die Simone, die ich eben bin.
So habe ich mir vor der Reise auch viele Gedanken gemacht, welche Möglichkeiten ich überhaupt habe, für Tagesausflüge aus Banff wegzukommen, ohne einen teuren Leihwagen mieten oder sonstige hohe Kosten investieren zu müssen. Nach dem Morgen im Kanu hat sich dieses Kopfzerbrechen natürlich als unnötig erwiesen, denn ich hatte direkt einen netten Backpacker mit Auto kennengelernt. Und wie ich schon gesagt hatte: Alles wird gut. IMMER!

Sunwapta FallsDCIM102GOPROBow Lake

Die so hoch gelobten Athabasca Falls haben wir zwar auch besucht, aber wegen der großen Menschenmengen, habe ich dort fast keine Fotos gemacht. Mein Hauptaugenmerk lag eher darauf, diesen schrecklich überfüllten Ort schnellstmöglich wieder zu verlassen.

Abends machen mir große Menschenmengen weniger aus. Diese starteten meistens in der Hostelbar und endeten in den örtlichen Pubs. Mit dem ein oder anderen alkoholischen Getränk, entsteht auch die ein oder andere lustige Situation. So war ich mit einem Franzosen, der ebenfalls auf der Kanutour dabei war, an einem Abend im Rose & Crown Pub, in dem dank Livemusik eine kleine Bühne aufgebaut war. Ein anderer Gast diskutierte mit seinem Freund, ob sie die Pause nicht nutzen sollten, um das Publikum mit ihrem Gesang zu unterhalten. Ich fand die Idee total witzig und habe die beiden überredet, doch genau das zu tun. Nach nur ein paar Sekunden auf der Bühne griff die Security ein und erteilte nicht nur den beiden, sondern der kompletten Clique Hausverbot. Schande über mein Haupt, denn ich drehte mich schnell zu meiner Begleitung um und konnte damit offenbar glaubhaft machen, nichts mit dem Vorfall zu tun zu haben. Wer auch immer Du warst, der durch meine Überredungskünste diese tolle Party verlassen musste: Es tut mir wirklich wahnsinnig Leid!

Nach 3,5 Tagen im wunderschönen Banff mit wunderbaren Menschen und tollen Momenten, war es auch schon wieder Zeit Banff zu verlassen. Die meisten der Menschen, die ich hier getroffen habe, haben mir jeden Tag erzählt, dass sie am nächsten Tag ganz bestimmt weiterreisen werden. Den Absprung haben aber nur die Wenigsten geschafft. Ich bin mir sicher, dass ich auch noch um ein paar Tage verlängert hätte, wenn ich nicht am Montagmittag in Calgary erwartet worden wäre. Die Atmosphäre in Banff ist halt irgendwie besonders, man kann tagelang wandern oder biken gehen und dabei niemals die selbe Route benutzen und nicht zuletzt kann man in dem ein oder anderen Pub auch ganz schön gut feiern gehen. Für mich definitiv eine Kombination, die zum Verweilen einlädt.

Wie ich doch noch die schönen Seiten von Calgary entdeckt habe, wie es mir auf meiner dreiwöchigen Fahrradtour durch British Columbia erging und warum Supergirls nicht weinen, erzähle ich Euch im zweiten Teil meines Abenteuer Kanadas. Schaut unbedingt wieder rein, denn im zweiten Teil wartet auch ein +++ GEWINNSPIEL +++ auf Euch! In diesem Sinne Viele Grüße von Finn!

 

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