Frankreich | Wintersonne

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Das Frankreich ganz tief in meinem Herzen verwurzelt ist, ist ja nichts Neues. Was bei meinem diesmaligen Besuch aber neu war, war der kurzzeitige Gedanke, es mit dem Reisen nun zu lassen. Nicht weil es zu stressig ist (was oft der Fall ist), ich kein Geld habe (was auch oft der Fall ist) oder ich nicht mehr genügend Zeit dafür habe, sondern weil es mir überall auf der Welt zu gut gefällt.

Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und Abschied nehmen fällt mir schwerer, umso älter ich werde. Wenn man dann bei jeder einzelnen Reise das Gefühl hat, sich neu zu verlieben, tut das einfach weh. Das Gefühl einfach bleiben zu wollen, aber eben nicht zu können, ist mir einfach viel zu vertraut. Und das obwohl ich weiß, dass die Liebe einem Alltag an jedem dieser Orte vermutlich garnicht standhalten würde.

Weil es aber unglaublich verrückt wäre, etwas aufzugeben, was so glücklich und zufrieden macht, bleibt das Reisen natürlich weiter ein Teil von mir. Und damit eben auch der Herzschmerz.

Das Herz gestohlen hat mir bei dieser Reise übrigens Nizza. Für eine Konferenz war ich in einem 30 Minuten entfernten Hotel im Nirgendwo, das zahllose Gäste unterbringen und mit All Inclusive Buffetessen versorgen kann und deswegen weder über Klasse, noch über Authenzität verfügt. Das Essen war nicht allzu schlecht, die Zimmer sauber und modern. Aber alles ganz und garnicht erwähnenswert. Halt Stopp, der Ausblick war toll. Immerhin.

Durch einen relativ späten Weiterflug musste ich Nizza am letzten Tag erst abends verlassen und hatte so noch einige Zeit, durch die Gässchen der Altstadt zu schlendern, mir die frische Meeresluft um die Nase wehen zu lassen und die warme Wintersonne zu genießen.

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Schon die Busfahrt ins Stadtzentrum ist ein Erlebnis. Eine ganze Zeit lang geht es an der Promenade entlang und wer sich für den richtigen Sitzplatz entschieden hat, kann die perfekte Sicht auf die Wellen und das azurblaue Meer der Cote d’Azur genießen.

Die Haltestelle Cathedrale Vielle Ville ist der optimale Ausgangspunkt um sowohl die Altstadt, als auch den neueren Teil der Stadt mit den typischen Geschäften zu erkunden. Wer mit der Altstadt beginnt, passiert direkt das Koko Green. Weil ich mit einem Dienstag den Ruhetag des Restaurants erwischt hatte, blieb mir das Schlemmen dort leider verwehrt und so musste ich kurzzeitig von Luft und Liebe und einem Smoothie leben.

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Nizzas Altstadt ist wunderschön: viele kleine Gässchen, alte Häuser, gefühlt noch mehr Kirchen (neun an der Zahl), direkter Zugang zum Mittelmeer und ein Schloss das über alldem thront. Trotz einiger Ramschgeschäftchen, war es nicht so trash touristisch wie manch andere europäische Städte – was natürlich auch an der Jahreszeit gelegen haben kann.

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Weil ich ja nu rein paar Stündchen bis zum Abflug hatte und mein Frühstück lange nicht so ausgedehnt werden konnte, wie ich es gerne mag, setzte dann doch irgendwann ein kleines Magenknurren ein und mithilfe meiner wenigen Französichkenntnisse (die ich zu meinem eigenen Ärger immer noch nicht verbessert habe), fand ich dann heraus, dass die beiden Straßen, in denen die anderen beiden Restaurants auf meiner Liste nur ein paar Minuten Fußweg entfernt waren – quasi einfach auf der anderen Seite der Straßenbahngleise.

Der erste Stop war das Vegan Gorilla. Hier gibt es einen langen Gemeinschaftstisch, der quasi die perfekte Möglichkeit bietet, etwas Französich zu üben und man kann von einer übersichtlichen Karte (auch auf Englisch erhältlich) wählen.

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Ich habe mich dennoch für einen der wenigen Zweiertische entschieden und gebratene Vollkornnudeln mit Gemüse genossen. Mit 15 EUR nicht ganz billig (die zweite Wahl wäre ein Chili sin Carne für satte 18 EUR gewesen), aber für Frankreich  und vorallem die Cote d’Azur normal.

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Nachtisch gab es im Paper Plane, das sich in der Parallelstraße befindet und umwerfend toll ist: Landkarten, Hängepflanzen, sattgrüne Palmentapeten an der ein oder anderen Wand, kuschelige Kissen, ausgewählte Deko – hier steckt Herz und Gemütlichkeit drin. Pappsatt wie ich war, hatte ich nur noch Platz für einen Brownie mit Erdnussbutter und einen frischen Apfel-Kiwi-Fenchel Saft.Neben Süßem gibts aber auch Frühstück und Deftiges – für jede Tageszeit ist was dabei. Wäre es nicht doch irgendwann Zeit gewesen sich auf den Weg in Richtung Flughafen zu machen, ich wäre mit meinem Buch noch länger dort gesessen.

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Wer sich bisher immer über den riesen Aufwand geärgert hat, den es benötigt um zum Flughafen zu kommen, ist in Nizza genau richtig. Durch die zentrale Lage sind es von der Innenstadt nur etwa 1,5h zu Fuß, man läuft einfach immer nur an der Promenade entlang und es gibt durchgehend einen Gehweg und muss nicht an einer großen Autobahn ums Leben fürchten.

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Alternativ könnt Ihr sogar eines der Räder von Vélo Bleu nutzen. Mit Stationen in Nizza (u.a. sogar am Flughafen), Cagens sur mer und Laurent du Var, die noch umweltfreundlichere und unabhängige Alternative zum Bus – vorallem im Sommer, wenn sich sowieso keiner freiwillig dem Verkehr in der Region aussetzen möchte.

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