Frankreich | We can make the world stop

img_1388

— Die Welt anhalten! Aus dem Alltag aussteigen oder eine Reise einfach niemals beenden! Mal ehrlich, wer von Euch hat sich das noch nie gewünscht? Mich begleitet der Gedanke andauernd und in manchen Momenten fehlt nur noch ein Mµ und ich tue es. Als ich letzten Sommer in Vancouver am Flughafen saß und wusste, dieses Flugzeug bringt mich gleich zurück nach Deutschland, wollte ich es so sehr, dass ich bitterlich weinen musste. Manchmal gibt es aber Momente im Leben, da kann man nicht einfach machen was man möchte. Momente, in denen man ohne Wenn und Aber seinen Verpflichtungen nachgehen muss. Momente, in denen man einfach Kompromisse eingehen muss. Schweren Herzens musste ich mich also damit abfinden, dass ich nicht einfach in Kanada bleiben konnte.

Und dann Frankreich! Und bei dieser Reise hat es sich tatsächlich so angefühlt, als ob ich in der Lage wäre die Welt anzuhalten. In den zwei Wochen sind so viele schöne Dinge und kleine Abenteuer passiert und ich hatte so viele tolle Menschen um mich, dass sich es irgendwie geschafft hatte, so sehr zu genießen, dass sich die Zeit irgendwie ausgedehnt haben muss. Ein wunderbares Gefühl!

Ganz regnerisch hatte dieser Urlaub begonnen. Kaum hatten wir die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz überquert, begann es wie aus Eimern zu schütten und war sehr viel kälter, als ich es mir für einen Urlaub im Süden gewünscht hatte. Heiße Schokolade mit Pflanzenmilch an der Tanke? Natürlich Fehlanzeige! Also noch 2-3 Stündchen durchhalten, bis wir am Haus meiner Verwandten angekommen  waren, wo wir uns aufwärmen konnten und wo wir schon mit Frühstück erwartet wurden: Brot und Marmelade! Genau so fühlt sich Urlaub an! Wer sonst auch nie Marmelade isst, kennt das Gefühl.

Die nächsten Tage standen ganz im Zeichen der Familie. Wir verbrachten die Tage mit Cousins und Cousinen, Tanten und Onkels und ganz viel Zufriedenheit. Trotz des weiterhin schlechten Wetters. Wir wurden mit Essen verwöhnt so weit das Auge reicht und das meiste kam dabei aus dem eigenen Garten.

 

IMG_1331

Ich habe nie in Frankreich gelebt und meine Verwandten bis vor ein paar Jahren nicht einmal gekannt. Und trotz der doppelten Staatsbürgerschaft, die ich als Kind hatte und trotz der Herkunft meines Vaters, hatte ich leider nie die Chance außerhalb der Schule französisch zu lernen. Und dennoch fühlt sich Frankreich für mich immer wie ein Stück Heimat und Ankommen an. Frankreich ist irgendwie Herzenssache.

Doch Frankreich ist nicht nur Herzenssache, sondern vor allem auch herzlich. Herzlich gastfreundlich nämlich. Nachdem wir die ersten paar Tage in der Drôme verbracht hatten, wollten wir noch ein paar Tage in der Natur verbringen, bevor es mit Freunden in ein Ferienhaus am Meer gehen sollte. Weil einer meiner Cousins x-ten Grades zu dem Zeitpunkt in der Ardèche wohnte, rief ihn meine Tante (ebenfalls x-ten Grades) kurzerhand an und fragte ob er nicht ein Plätzchen für uns beide hatte. Weil er gerade auf das Haus des Bekannten einer Bekannten aufpasste, hatte er das tatsächlich und schon am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg.

IMG_1353

Der besagte Cousin hatte sich direkt Zeit für uns genommen indem er seinen Job hingeschmissen hat (JA! Ihr habt richtig gelesen) – von seinem Chef war er eh schon lange genervt und der Gedanke zu kündigen, lies ihn schon länger nicht mehr los. Da war unser Besuch geradezu das perfekte Zeichen diesem Gedanken auch nach zu gehen und so verbrachten wir die nächsten Tage gemeinsam in mittelalterlichen Dörfern, am Wasser und im Kayak. Eine Freundin von Cyril, eben diesem Cousin, arbeite unten am Fluß im Sommer auf einem Campingplatz. Dort wurden regelmäßig Kanus zurückgegeben, wenn die Länge des Flussabschnittes und die damit verbundene Anstrengungen unterschätzt wurden. Und weil die Kayaks ja aber auch irgendwie zum eigentlichen Ziel kommen mussten, kamen wir ins Spiel. Das war dann nämlich unser Job und so kamen wir auch noch zu unserem Kayak-Abenteuer – nämlich kostenlos.

Ein Abenteuer war es tatsächlich. Mein Kayak hatte ein Loch, wodurch immer wieder Wasser in dem Hohlraum sammelte. Weil ich nicht wirklich viel Erfahrung im Kayak hatte, zweifelte ich die meiste Zeit an meiner Technik. Doch irgendwann kam einfach der Punkt, an dem ich so frustriert war, dass ich mich am liebsten zu den gesellt hätte, die auf halber Strecke aufgegeben hatten. Zum Glück gab es dafür aber eine bessere Lösung. Wie es der Zufall so wollte, hatte sich Cyril am Morgen nämlich nicht entschieden nur ein Kayak ans Ziel zu befördern, sondern direkt drei – eins in dem er selbst saß und zwei weitere im Schlepptau. Glück für mich!

Das zweite Abenteuer erwartete uns an der ersten und einzigen Stromschnelle, die gleichzeitig auch der einzige Punkt war, an dem so viel los war, dass ich mich wirklich fragen musste, wo die ganzen Menschen plötzlich herkamen. Also Marcus durch die Stromschnelle hindurch ruderte, kippte er plötzlich und fiel ins Wasser. Zusammen mit unsere Go Pro. Netterweise war diese auch das erste was mir in den Sinn kam. Um nicht vom Wasser davon getrieben zu werden und Marcus Paddel einzusammeln, lies ich mich auch direkt ins Wasser fallen. Mein Kanu unter einem Arm und zwei Paddel unterm anderen, arbeite ich also meinen Weg zurück zu der Unglücksstelle.

Dort gab Cyril schon alles um die Go Pro zu bergen. In dem Getümmel tauchte er immer wieder auf den Grund, jedoch leider erfolglos. Uns blieb also nichts anderes übrig, als nach ein paar Minuten zu akzeptieren, dass die Go Pro samt Bilder weg ist. Gerade als wir uns wieder bereit für die Weiterfahrt machten, geschah das Undenkbare. Die Go Pro schwamm direkt an Marcus vorbei und er musste einfach nur danach greifen. Das nennt man dan wohl Happy End, oder?

IMG_1367

img_1388

Nach so viel Aufregung kam der entspanntere Teil des Urlaubs gerade rechtzeitig. Zwar mussten wir auf dem Weg dorthin noch Marseille und seinen Feierabendverkehr durchqueren, aber das bedeutete ja einfach nur, dass wir uns die Entspannung und Ruhe in unserem traumhaften Hostel in Cassis erst Recht verdient hatten. Während für mich nur die pure Entspannung (und auch ein wenig Vorfreude) wartete, stand Marcus noch eine Überraschung bevor. Weil am nächsten Tag sein Geburtstag war, standen unsere Freunde nämlich schon heute auf der Matte um gemeinsam zu feiern.

Cassis ist ein altes Fischerdorf und vor allem durch seine Nachbarschaft zu den Calanques, verschiedene Buchten, die nur zu Fuß oder per Boot zu erreichen sind. Vor ein paar Jahren hatte ich eine solche Kayaktour schon mal mit meiner Schwester gemacht und genau das war eigentlich auch der Plan für Marcus‘ großen Tag. Leider machte uns der Wind aber einen Strich durch die Rechnung und der Kayak Club hatte an dem Tag garnicht erst für den Verleih geöffnet. Strand und Meer waren aber auch nicht die schlechteste Alternative!

Am nächsten Tag ging es weiter in unser Ferienhaus nach Hyères – der eigentliche Grund für unseren Frankreichurlaub. Ich wollte schon immer in einem Ferienhaus mit Pool Urlaub machen und dann war es mit zwei befreundeten Pärchen, von denen die Mädels auch vegan waren, soweit. Dank Vive la Provence aus dem Pala Verlag konnten wir jeden einzelnen Abend ein mehrgängiges Menü auf der Terrasse und bei einer fabelhaften Aussicht genießen. Von ‚einfachen‘ Rosmarinkartoffeln, über knusprig-zitronigen Brotsalat und bis hin zu einem scharfen Knoblauchsüppchen war alles dabei.

IMG_1517

IMG_1566img_1517-kopieIMG_1466

Ich muss zugeben, wir haben sehr, sehr viel Zeit in unserem Häuschen verbracht – der Pool war einfach zu traumhaft. Doch eigentlich gibt es rund um Hyères einiges zu entdecken. Uns hat es vor allem die Halbinsel von Giens, die direkt unterhalb des Ortes liegt angetan. Ganz im Süden wartet ein kleines Städtchen und ein netter kleiner Hafen darauf entdeckt zu werden und auf dem Weg dorthin, kam man den langen Strand, der bei Kite Surfern sehr beliebt ist, definitiv nicht verfehlen. Und wer richtig hinschaut kann in den Lagunen sogar Flamingos entdecken.

Auch Hyères selbst ist mit der Altstadt und den kleinen Gässchen, sowie der Burgruine, die gerade prädestiniert für ein Sonnenuntergangspicknick auch wirklich wert, das Ferienhaus zu verlassen. Den Weg nach St. Tropez kann man sich im Hochsommer hingegen sparen. Zumindest dann, wenn man die 50km nicht im Stau und mit Schrittgeschwindigkeit verbringen will.

img_1562

IMG_1557

Wie es mit Herzenssachen so ist, ist es auch hier nur eine Frage der Zeit, bist der nächste Frankreichurlaub vor der Tür steht. Vielleicht schaffe ich es ja bis zum nächsten Mal auch mal endlich meine Vorsätze umzusetzen und meine Französischkenntnisse wieder auf Vordermann zu bringen.

Schreibe einen Kommentar